Netzwerk Saubere Energie München

Gasausstieg… der neue „Heizungshammer“?

2020 wurde unter der damaligen Merkel-Regierung das Gebäudeenergiegesetz (GEG) beschlossenen, mit Vorschriften bezüglich der Umstellung privater Heizanlagen auf erneuerbare Energien (EE) – als 2023 unter der damaligen Ampelkoalition dann eine Novelle in Arbeit war, wurde ein noch nicht zur Veröffentlichung vorgesehener Entwurf dieser Gesetzanpassung an die Medien weitergeleitet – und daraus von interessierter Seite (und der BILD-Zeitung) eine gewaltige Gegen-Kampagne entwickelt.
Seither kennen alle den „Heizungshammer“.

Ein „Heizungshammer“, den es nie gab: Zu keinem Zeitpunkt hatte die Ampel-Regierung beabsichtigt oder formuliert, dass alle fossil befeuerten Heizungen – auch neue oder gut funktionstüchtige – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt rausgerissen und „wegen Klima“ durch neue Heizungen auf Basis erneuerbarer Energien mittels „Zwang zur Wärmepumpe“ zu ersetzen seien. Das aber wurde in der Heizungshammer-Kampagne suggeriert: Ein tiefer Eingriff der Elite, der Herrschenden, der Grün-Versifften… ins zutiefst Persönliche, in die eigene Wohnung, den eigenen Heizungskeller. Dass „die da oben“ sogar in meine Wohnung, in mein Haus „eingreifen“ – „das geht gar nicht“. So die Hetze.
Nein, rechtlich beabsichtigt war nur, dass, wenn eine Heizung im Neubau bzw. als Ersatz für eine nicht-funktionstüchtige neu eingebaut werden soll, dass diese dann zu mindestens 65% auf erneuerbaren Energien beruhen müsse BMWSB Gebäudeenergiegesetz – BMWSB . Und dies ist, angesichts eines Anteils von >30% Treibhausgasemissionen aus Gebäude-Wärme in Deutschland, nicht nur absolut berechtigt und notwendig, sondern eher noch zu wenig.

Die externe Hetze hatte u.a. Folge, dass die neue schwarz-rote Regierungskoalition im Koalitionsvertrag und in alltäglichen Stellungnahmen von der „Abschaffung des Wärmegesetzes“ ankündigt. Was rechtlich gar nicht ginge, weil das Wärme-G auf rechtlichen Vorgaben der Europäischen Gemeinschaft beruht. Und auch sachlich die notwendige Einhaltung der gesetzlichen Klimaziele bis zur Klimaneutralität Deutschlands bis 2045 (so das gültige Klima-Gesetz) ohne Beschränkungen von Emissionen aus der Beheizung und der Brauchwassererwärmung in Gebäuden niemals zu erreichen wäre – weshalb die neue Regierung unter Kanzler Merz ja das (angebliche) Heizungshammer-Gesetz nicht abgeschafft, sondern schlicht umbenannt hat, „es wird künftig Gebäudemodernisierungsgesetz heißen“, erklärte Bundeskanzler Merz (CDU). Bis Ende Februar 2026 soll es beschlossen sein, so der Plan; es soll „technologieoffener, flexibler und einfacher“ werden – von Reduzierung der Anforderungen in Sachen „Klima“ ist nicht die Rede.

Was aus dem „Heizungshammer“ gelernt werden kann, ist (zumindest) zweierlei: Dass interessierte Kreise gewillt und in der Lage sind, mittels einer Kampagne über lange Zeit eine Stimmung in der Öffentlichkeit zu erzeugen, die unter anderem dem Klimaschutz mehr als abträglich ist – und dabei (mit Erfolg) zu suggerieren, dass „die da oben“ auch ins Allerheiligste im persönlichen Umfeld eingreifen, „nur wegen Klima“.

Deshalb:

Kein neues Schlagwort wie „Heizungshammer“ – bloß nicht mehr: „Gasausstieg“!

Zumindest bei der Begrifflichkeit.
Wohl aber in der Sache: „Gasausstieg“ ist aus Klimaschutzgründen schrittweise und letztlich bis auf (nahe) Null erforderlich.
Wie beim Gebäudemodernisierungsgesetz künftig halt mit anderen Namen.

Drei Ebenen sind zu unterscheiden:

  1. Gasausstieg als Ende der Gasförderung als Brennstoff-Ressource
  2. Gasausstieg bei der Befeuerung von (Heiz-) Kraftwerken und von Industrieanlagen durch Umrüstung auf Erneuerbare Energien
  3. Gasausstieg bei der Energiewandlung beim Heizen und Brauchwassererwärmen in Gebäuden u.a. durch (kommunale) Wärmenetze und individuelle EE-Heizanlagen aufgrund Umsetzung kommunaler Wärmepläne.

In allen drei Ebenen haben wir Bürger:innen in und um München sehr viel zu tun mit (faktischem) „Gasausstieg“:

A. Gasausstieg: Ende der Gasförderung als Brennstoff-Ressource

Nur wenige Münchner:innen dürften wissen, dass die Stadtwerke München GmbH (SWM) – als 100%-ige Tochtergesellschaft der Stadt München also „unser aller Energieversorger“ – auch an einer Tochtergesellschaft beteiligt sind, die nach wie vor in der Nordsee an diversen Standorten nach Erdgas bohrt und Gas fördert. Dies nicht für die Versorgung Münchens – dafür gibt es schon keine Erdgasleizungen etwa von den Niederlanden nach München –, sondern für die Belieferung des europäischen Gasnetzes, zum Zusatz-Gewinne machen also. Dabei dachten wir, dass insbesondere die sich ach so umweltfreundlich gerierenden Stadtwerke München – und als städtisches Unternehmen doch dem Ziel verpflichtet seien „Klima vor Gewinn“ – und schließlich will die Stadt mit allen Sektoren doch bis 2035 klimafreundlich sein (?!): Die Stadt München ist über die Stadtwerke München mit 31% am Erdöl-/Erdgas-Konzern Spirit Energy beteiligt: Spirit Energy fördert Erdöl und Erdgas in der Nordsee und sucht aktiv nach neuen Erdöl- und Gasvorkommen. Damit verschärft SWM-Spirit Energy weiter die Klimakrise.

Die Zivilgesellschaft Münchens – Fossil Free, Netzwerk Saubere Energie… – hat schon seit über zehn Jahren den Ausstieg der SWM aus Öl- und Gasförderung, also „Gasausstieg“, gefordert, Petitionen eingereicht und Aktionen in diese Richtung gegenüber dem Stadtrat unternommen. Teilweise mit Erfolg: Im Dezember 2021 haben die Stadtwerke bzw. Spirit Energy 92% ihrer Ölproduktion (vor allem in Natur-geschützten Bereichen nördlich des Polarkreises) und 38% ihrer Gasreserven verkauft. Doch die SWM verbleiben mit Spirit Energy bei der Gas-Förderung nördlich der Niederland und südlich der Großbritannischen Inseln. Und ermöglicht dadurch nicht nur Treibhausgasemissionen durch Gas-Verbrennung für alle denkbaren Zwecke in Europa, sondern greift damit auch in ein hochsensibles Ökosystem ein, der Nordsee; die Langzeitfolgen für die Nordsee sind unklar, die für die Treibhausgasanreicherung in der Atmosphäre sind offensichtlich. Exit Spirit Energy – Netzwerk Saubere Energie München.

Konsequenter Gasausstieg durch Beendigung der Stadtwerke-Beteiligung an Spirit Energy? Seit 2022 politisch kein Thema.

B. Gasausstieg: Erneuerung von Heiz- und Heizkraftwerken mittels Erneuerbarer Energien

Der erfolgreiche Bürgerentscheid „Raus aus der Steinkohle“ im Jahr 2017 war ein klares Zeichen der Münchner:innen gegen die Verbrennung fossiler Rohstoffe. Das bisherige Kohlekraftwerk im Norden von München, im Block 2 am Standort „Heizkraftwerk Nord“ in der Nachbargemeinde Unterföhring, wird betrieben von den Stadtwerken München (SWM). Anstatt aber die Gelegenheit zu ergreifen und die Energieversorgung der Stadt München in Richtung Zukunft auszurichten, planten die SWM etliche Jahre lang sogar den Neubau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerks, „GuD 3“, am gleichen Standort; alle Planungen waren schon fertig und der Genehmigungsantrag lag der zuständigen Genehmigungsbeörde bereits vor. Diese Pläne mussten die SWM 2023 aber verwerfen, auch wegen Protests der Gemeinde Unterföhring und Aktivist:innen aus der Zivilgesellschaft.
Raus aus der Kohle, rein ins Erdgas?

Trotzdem lassen die SWM von fossilen Rohstoffen am Standort Nord in Unterföhring nicht ab: Das Kohlekraftwerk wurde 2024 auf Erdgas umgestellt, was zunächst eine erfreuliche Info wäre: Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen – bei gleicher Leistung – nur etwa 2/3 an Treibhausgas-Emissionen wie bei der Verbrennung von Steinkohle. Weil der Stadtrat beim Beschluss Gas-statt-Kohle im HKW Nord Block 2 aber die bei Kohleverbrennung geltende Leistungsbegrenzung (max. 38%) bei Erdgasbefeuerung nicht ebenfalls bestätigte, sondern bei Gas bis 100% Kraftwerks-Leistung zuließ, und weil die SWM die Laufzeit des (Kohle-) Kraftwerks von 2027/2028 hinaus bei Gas auf „zunächst bis 2035“ verlängerte – und der Stadtrat auch dies „zur Kenntnis“ nahm, ohne eine kürzere Laufzeit zu beschließen – deshalb ist eine Vervielfachung der CO2-Emissionen bei Gas gegenüber Kohle zu befürchten.
Keine „Vervierfachung“ aber „vielleicht nur bis zu einer Verdopplung“ der CO2-Emissionen bis 2035…??? – Netzwerk Saubere Energie München

Wegen der Erreichung der technischen Leistungsfähigkeit nach dann 50-jährigem Betrieb muss der Block 2 im HKW Nord aber bis spätestens 2035 stillgelegt und neu errichtet oder dann endgültig abgerissen werden.
Die Gemeinde Unterföhring wird demnächst – zulässigerweise – mittels eines neuen Bebauungsplans für den auf ihrer Gemarkung liegenden Standort HKW Nord beschließen, der nur noch nachhaltige und nicht-fossile, erneuerbare Energieformen zulassen wird. Schon lange wird – auch im Stadtrat der LHM – diskutiert und wurde auch von Oppositionsparteien (vergeblich) beantragt, dass und wie die SWM für ihren Standort Nord ein Konzept zur Erneuerung der fossil betriebenen Anlagen (neben den beiden Müllverbrennungsblöcken) vorlegen solle. Doch bislang haben die Stadtwerke – außer einer Darlegung eines möglichen Biomasse-/Holz-Heizkraftwerks zzgl. zwei PV-Anlagen und diverse Wärmepumpen im Klimarat – dem Stadtrat kein EE-Konzept zur Diskussion bzw. Beschlussfassung vorgelegt.     

Seitens der Zivilgesellschaft wurden schon 2022 diverse EE-Alternativen für das HKW Nord entwickelt, u.a. Biomasse- oder Biogas-(Heiz-) Kraftwerk, (Tiefen-) Geothermie, Photovoltaik- und/oder Solarthermie-Flächenanlage, Windkraftanlage (mit 1 Großanlage) oder Windpark (mit acht kleineren Windrädern), Wasserstoff-Heizkraftwerk, Wasserstoff-Elektrolyseur-Anlage, Wärmespeicher-Anlage, (Batterie-) Stromspeicher-Kraftwerk. Doch bis auf eine mögliche Geothermieanlage (etwas nordöstlich vom HKW Nord) haben die SWM bislang kein Interesse an einer Weiterentwicklung von Strom-/Wärmeanlagen am Standort HKW Nord gezeigt – angesichts einer Planungs- und Genehmigungszeit von kaum unter zehn Jahren ist das u.E. schlicht unverantwortlich.

Für die fossil, mit Erdgas betriebenen sechs Heiz- und Heizkraftwerke der Stadtwerke innerhalb Münchens fehlt ebenfalls ein klarer Plan zum Gasausstieg – der schon aus rechtlichen Gründen bis 2045 erfolgt sein muss. Hoffnung ergibt sich aus dem beschlossenen Wärmeplan für die Stadt München, der einen Ausbau und Verdichtung der Fernwärmeversorgung und deren Umbau auf EE, insbesondere Geothermie, vorsieht. Doch auch hier ist Beschleunigung angesagt – neue Standorte für Geothermieanlagen in München und (Kooperations-) Anlagen außerhalb der Stadtgrenze zu finden und diese genehmigen zu lassen und zu errichten, dauert heute nicht unter zehn Jahren. Die bisherigen Geothermie-Ausbauplanungen zeigen, dass 2035 – dem Jahr der angestrebten Klimaneutralität – im günstigsten Fall 55% des Wärmebedarfs mittels EE erzeugbar ist.

Doch wenn (2045 ?) für die verschiedenen Fernwärme-Teilnetze (schrittweise) ausreichend Geothermieanlagen errichtet sind, können die Heizwerke, die diese Teilnetze bislang mit Wärme versorgt haben, ihre Regelleistung bis auf Null reduzieren. Das wäre dann der (fast vollständige) Gasausstieg bei den Heizwerken. Ungeklärt ist für diesen Fall jedoch, ob und wie diese Heizanlagen bei Ausfall- und Spitzenlast-Betrieb, wenn die Geothermieanlage ausfällt oder bei längerer klirrender Kälte nicht ausreichend sein sollte, mit Energie-Ressourcen betrieben werden sollen – wenn in diesen seltenen Fällen nicht mit Erdgas, dann mit (grünem?) Wasserstoff?? So jedenfalls die bisherigen Aussagen der SWM – was jedoch entsprechende neue Infrastrukturen, auch für einen stand-by-Betrieb der HWs, und überhaupt das Vorhandensein ausreichender Massen an Wasserstoff zu verträglichen Preisen voraussetzt (was von den meisten Experten definitiv bezweifelt wird).  

Und ungeklärt ist auch das Schicksal der beiden Heizkraftwerke innerhalb Münchens (HKW Süd und HKW Freimann), die im Strom-Wärme-Kopplungsprozess, mittels Erdgas befeuert, neben Wärme auch Strom für das überregionale bayerische Stromnetz darstellen. Auch deren technische Lebensdauer wird in den nächsten 10-15 Jahren enden. Selbst wenn hier via Geothermie der Bedarf an Wärme-Erzeugung entfiele, bleibt bislang völlig offen, ob auch diese Anlagen vom Erdgasbetrieb abgekoppelt werden sollen, spätestens 2045. Von „Gasausstieg“ und Umrüstung auf Erneuerbare Energien bei diesen beiden HKWs ist bislang nicht die Rede.

C. Entwicklung eines Gasnetztransformationsplans

Gasausstieg, Beendigung der Gasbelieferung und schrittweise Stilllegung der Gasleitungen – oh, nein, das geht gar nicht: „Ohne Gas kann ich ja gar nicht mehr kochen oder meine Wohnung wärmen!“– unvorstellbar?!! Ja, deshalb der neue Namen “Gas-Transformation“, klingt doch viel unverfänglicher (?).
Denn genau das wird ab in zwanzig Jahren der Fall sein: Die Zulässigkeit der Belieferung mit Erdgas (u.a. für Heizungszwecke) ist nur bis 31.12.2044 zulässig; ab 2045 dürfen Versorgungsunternehmen kein Gas mehr liefern (Quelle?). Auch dass Erdgas für Heiz- und Kochzwecke ab 2028 jährlich teurer wird, wissen wenige: „Übergang von nETS zu ETSII“ ist das Stichwort: ETS II – abgeleitet aus dem englischen Begriff Emission Trading System und nach dem ETS I das zweite europäische Emissionshandelssystem, das in Deutschland „national“ bereits umgesetzt ist (=nETS). Bei der Umsetzung des EU-gesetzlich geregelten EU-Emissionshandels künftig auch im Bereich Gebäude müssen dann Inverkehrbringer von Erdgas, also auch die Stadtwerken München für ihre Gas-Kunden, je nach Menge des bei Gas-Verbrennung emittierten CO2-Äquivalenten kostspielige Zertifikate für die Erlaubnis der Emission von Treibhausgasen (je t/CO2aeq) erwerben. Die Versorger, auch die SWM, werden diese Kosten an ihre Gaskunden weiterreichen: Die Beheizung mittels Erdgas wird – unabhängig von den sonstigen Preiseinflüssen aufgrund Markt, Kriegen, Verflüssigung zu LPG… – jährlich teurer werden Umsetzung-ETSII-Klimasozialfonds-DE.pdf.

Wer in den letzten Jahren eine neue Gas-Heizung eingebaut hat, wird in 20 Jahren keinen Gas-Brennstoff mehr geliefert bekommen – obwohl die heute neue Anlage technisch dann noch weitere 20-30 Jahre betrieben werden könnte. Und auf jeden Fall wird Gas-Heizung deutlich teurer werden. Worüber aber niemand in der (Bundes- oder Kommunal-) Politik spricht.

Obwohl genau dies auch in der „kommunalen Wärmeplanung“ Münchens exakt so angelegt ist: Als eine der ersten Großstädte hat München im November 2024 einen solchen, gesetzlich bis spätestens 2026 erforderlichen „Wärmeplan“ beschlossen.
Kommunaler Wärmeplan München – Netzwerk Saubere Energie München mit drei Teilen:
Ausbau der Fernwärme und Umbau auf Geothermie
Geothermie – Netzwerk Saubere Energie München; Nahwärme-/Quartierskonzepte auf erneuerbarer Basis (Abwärme, Flusswärme, Grundwasser): individuelle Lösungen (Grund-/Luft-Wärmepumpen), wo Netze nicht realisierbar sind. All dies dient dem Ziel „Klimaneutralität München“ bis 2035 (wie der Stadtrat offiziell beschlossen hat) oder hoffentlich bis 2045 (implizit in der Münchner Wärmewende anvisiert). Der Wärmeplan ist auch nach Auffassung der zivilgesellschaftlichen klimaengagierten Organisationen, auch dem Netzwerk Saubere Energie, durchaus als mutig und zukunftsweisend zu bewerten; allein: Bei der Umsetzung hakt es nach wie vor gewaltig.

Und dazu gehört auch der Gasausstieg – der dann vielleicht weniger „Heizhammer“-gefährdet –  „Entwicklung eines Gasnetztransformationsplans“ genannt werden sollte: Wenn die Fernwärme einerseits und Nahwärmelösungen auf EE-Basis andererseits planmäßig und schrittweise ausgebaut werden, dann entfällt in diesen Quartieren und Stadtvierteln Münchens die Notwendigkeit der weiteren Gas-Belieferung für Heizzwecke: Die bisherigen Gas-Kunden können sich an ein Fern- oder Nahwärmenetz anschließen, sich bei Nahwärmelösungen etwa genossenschaftlich auch daran beteiligen oder (auch in Netz-Gebieten) individuelle Heiz-Lösungen auf Basis EE realisieren (das ist auch bei denkmal-geschützten Gebäuden möglich).
Die Stadtwerke jedenfalls sind bislang der Auffassung, dass bei zu erwartender abnehmender Zahl angeschlossener Gas-Kunden – weil diese sich für zukunftsfähige Heizlösungen entscheiden –, die verbleibenden die Summe der Netzentgelte zu zahlen haben, also immer weniger Gas-Kunden immer mehr. Ansonsten sollen die nicht mehr gebrauchten Gasleitungen im Münchner Netz – einzelne Straßenzüge bis ganze Viertel – nur stillgelegt, nicht aus- bzw. rückgebaut werden, so die Stadtwerke.
(Nur als kurzer Hinweis: Die Umnutzung des Erdgasnetzes in „technikoffene“ Belieferung mit Wasserstoff ist technisch nicht möglich und wirtschaftlich schlicht unsinnig – weshalb die Stadt München ja auch festgelegt hat, dass es in München kein Netz zur Belieferung mit Wasserstoff für Heizzwecke oder auch Fahrzeug-Betankung geben wird).

Übrigens: Bundesweit laufen seitens Umweltorganisationen und Parteien in vielen Städten und Landkreisen Aktionen und Forderungen just zum „Gasausstieg“ – oftmals gedacht als Druckmittel gegenüber Rathaus-Verantwortlichen, schneller und umfassender eine Wärmeplanung für ihre Gemeinde zu beschließen und diese dann auch konkret umzusetzen. So betreibt u.a. das (Münchner) Umweltinstitut eine entsprechende Info-Kampagne – und einige Städte in Deutschland haben den „Gasausstieg“, zumeist die Stilllegung von Gasleitungen im Kommunalgebiet, bereits beschlossen, so z.B. Augsburg, Mannheim, Stuttgart 
Gasausstieg: Der Weg in eine klimafreundliche und sichere Zukunft.

Und wenn auch in München die Notwendigkeit der Gasbelieferung in den nächsten Jahren schrittweise abnimmt und diese dann ab 2045 gänzlich entfällt – dann sollte die Münchner Politik (und auch die städtischen Gesellschaften wie Stadtwerke München oder MünchenWohnen) schon heute den Mut haben, die Bevölkerung darüber zu informieren, sie einschlägig beraten, Fördermittel zur Verfügung stellen, technische Alternativen anbieten  – und neben der Planung von Fern- und Nah-Wärmenetzen auch eine Planung der schrittweisen Stilllegung der Erdgasnetze beschließen. Und die Bevölkerung präzise aufklären, ab wann wo kein Erdgas mehr zu bekommen ist.

Unter anderem dies jedenfalls haben die Omas4Future München, Greenpeace München und das Netzwerk Saubere Energie München in einem Offenen Biref an die Verantwortlichen im Münchner Rathaus sowie die Stadtratsfraktionen gefordert.
Offenen Biref an die Verantwortlichen im Münchner Rathaus
Eine weit bessere, breitere, gezieltere Informationspolitik in Sachen kommunaler Wärmewende inkl. der Stilllegung von Erdgas.  Derzeit laufen diverse Gespräch u.a. mit der SHK-Heizungs-Innung, der SPD, der CSU und der GRÜNEN im Rathaus – wir werden weiter berichten  😊

…für das Netzwerk Saubere Energie München, 11.01.2026
Dr. Helmut Paschlau